Den Factoringanbieter zu wechseln, kommt vor allem dann infrage, wenn das bisherige Modell nicht mehr optimal unterstützt. Mögliche Anlässe sind zum Beispiel:
Gerade im Mittelstand ändern sich die Rahmenbedingungen oft schnell. Was vor einigen Jahren noch gut gepasst hat, kann heute zu starr, zu teuer oder zu kompliziert sein. Ein Wechsel lohnt sich deshalb immer dann, wenn sich dadurch Liquidität, Planbarkeit oder administrative Entlastung verbessern lassen.
Die Kündigung eines Factoringvertrags sollte nie unvorbereitet erfolgen. Entscheidend ist, die Vertragsbedingungen genau zu prüfen. Dort sind meist Fristen, Laufzeiten und formale Anforderungen geregelt.
1. Factoringvertrag prüfen
Zunächst sollte geklärt werden, welche Kündigungsfrist gilt, ob eine Mindestlaufzeit vereinbart wurde und ob eine vorzeitige Beendigung möglich ist. Legen Sie dann einen möglichen Stichtag für den Anbieterwechsel fest.
2. Neuen Anbieter auswählen
Idealerweise wird der neue Factoringpartner so gewählt, dass der Wechsel nahtlos anschließen kann. Vermeiden Sie Überschneidungen und Abtretungslücken und dokumentieren Sie den Übergang intern und extern sauber. Beachten Sie ggf. den Zeitpunkt der Rechnungsstellung, um den Stichtagswechsel zu berücksichtigen.
3. Laufende Forderungen identifizieren
Vor der Kündigung sollte klar sein, welche Rechnungen noch in der Abwicklung sind, welche bereits an den bisherigen Factoringanbieter abgetreten wurden und welche noch offen sind. Hier kann ein Blick auf die OP-Liste oder die Dokumentation im Kundenportal des bisherigen Anbieters (sofern vorhanden) hilfreich sein. Wichtig, ist, dass Sie auf eine klare Abgrenzung zwischen altem und neuem Forderungsverkauf (Rechnungsdatum, Leistungsdatum etc.) achten. Dies sollte auch mit dem bisherigen sowie dem künftigen Anbieter abgestimmt werden, damit kein Liquiditätsengpass entsteht.
4. Kündigung schriftlich einreichen
Die Kündigung sollte fristgerecht und in der vom Vertrag vorgesehenen Form erfolgen. In der Regel ist eine schriftliche Kündigung erforderlich. Vor der Kündigung sollten Sie außerdem eine Zusage vom neuen Factoringanbieter haben.
5. Übergangsphase einplanen
Wichtig ist, mit dem bisherigen Anbieter zu klären, wie offene Forderungen bis zum Vertragsende behandelt werden. Stellen Sie außerdem in Abstimmung mit dem neuen Anbieter sicher, dass es nicht zu Finanzierungslücken kommt. Und legen Sie fest, wie mit fehlgeleiteten Zahlungen umzugehen ist. Mehr dazu in den folgenden Abschnitten.
6. Kunden über den Factoringwechsel informieren
Teilen Sie Ihren Debitoren (insbesondere der Buchhaltungsabteilung) frühzeitig mit, dass Sie den Anbieter wechseln, um Zahlungsstörungen und Verzögerungen zu vermeiden. Wichtig ist auch, die neue Bankverbindung und Zahlungsinformationen klar zu kommunizieren, damit Ihre Kunden wissen, an wen sie künftig zahlen sollen.
Nicht jedes Factoringunternehmen arbeitet gleich. Sie sollten daher genau prüfen, welche Leistungen und Rahmenbedingungen wichtig sind. Entscheidend sind unter anderem:
Wichtig ist nicht nur der Preis, sondern das gesamte Leistungspaket. Ein günstiger Tarif nützt wenig, wenn die Abläufe nicht zum Unternehmen passen oder unnötig viel interne Arbeit verursachen. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel Wie finde ich den richtigen Factoringanbieter?
Vor dem Anbieterwechsel sollte auch geprüft werden, welche Factoringart sinnvoll ist. Nicht jedes Unternehmen hat denselben Bedarf. Und nicht jeder Factoringanbieter bietet alle Factoringarten an.
Eine ausführlichere Beschreibung der einzelnen Factoringarten können Sie in unserem Artikel Welche Arten von Factoring gibt es? nachlesen.
Das ist einer der wichtigsten Punkte beim Wechsel des Factoringanbieters. Offene Forderungen können nicht einfach ignoriert werden, denn sie sind bereits rechtlich und organisatorisch an den bisherigen Factoringpartner gebunden.
In der Praxis gilt daher: Forderungen, die bereits abgetreten wurden, verbleiben beim bisherigen Anbieter oder müssen im Rahmen einer klaren Übergangsregelung behandelt werden. Neue Forderungen können dann erst mit dem neuen Factoringvertrag abgerechnet werden.
Damit es nicht zu Lücken oder Fehlüberweisungen kommt, sollte der Wechsel sorgfältig abgestimmt werden. Besonders wichtig ist, dass klar getrennt wird zwischen:
Jede Rechnung sollte eindeutig als neu oder alt zuzuordnen sein. Je sauberer diese Trennung erfolgt, desto reibungsloser läuft der Wechsel. Legen Sie daher rechtzeitig fest, wie gegebenenfalls mit Rücküberweisungen und Verrechnungen vorzugehen ist.
Interne Prozesse
Bereiten Sie rechtzeitig Ihre Buchhaltung und Ihr Team auf den Wechsel vor, passen Sie Rechnungen und Abtretungshinweise an und definieren Sie Verantwortlichkeiten.
Debitorenlimits
Beachten Sie eventuell veränderte Bonitätsbewertungen durch den neuen Anbieter. Limits können abweichen. Wenn das bisherige Debitorenlimit zum Beispiel bei 200.000 Euro lag, der neue Anbieter aber nur ein Limit von 100.000 Euro übernimmt, sollten Sie abwägen, ob ein Anbieterwechsel sinnvoll ist. Klären Sie daher Ankauf und Limithöhen vorab mit dem künftigen Anbieter.
Rechtliches
Prüfen Sie Abtretungsverbote in Kundenverträgen und stellen Sie sicher, dass gesetzliche Anforderungen eingehalten werden. Bei Bedarf holen Sie sich rechtliche Unterstützung.
Wir arbeiten seit fast 30 Jahren lösungsorientiert, partnerschaftlich und praxisnah mit unseren Kunden zusammen. Als inhabergeführtes, bankenunabhängiges Unternehmen setzen wir auf kurze Kommunikations- und Entscheidungswege, auch auf Geschäftsleitungsebene.
Unsere Leistungen als Full Service Factoring Anbieter umfassen neben der Vorfinanzierung Ihrer Rechnungen auch die Übernahme Ihres Forderungsmanagements inklusive Mahnwesen sowie weitestgehend die Risikoabsicherung gegen Zahlungsausfälle. Gerne beraten und unterstützen wir Sie beim Wechselprozess.
Ein Wechsel des Factoringanbieters kann sich lohnen, wenn Kosten, Service oder Leistungsumfang nicht mehr zum Unternehmen passen. Entscheidend ist eine strukturierte Vorgehensweise: Vertrag prüfen, Kündigungsfristen beachten, offene Forderungen sauber abgrenzen und den neuen Anbieter sorgfältig auswählen.
Wer zusätzlich die passende Factoringart bestimmt, kann den Wechsel nicht nur reibungslos gestalten, sondern auch gezielt zur Verbesserung von Liquidität, Planbarkeit und interner Entlastung nutzen. Damit wird der Anbieterwechsel zu einem strategischen Schritt – und nicht nur zu einem formalen Vertragswechsel.